Krabat - Aufsätze der 6. Klasse

„Krabats letzter Albtraum“

…Er ließ sich von ihr aus der Mühle führen, sie führte ihn durch den Koselbruch nach Schwarzkollm hinüber.
„Wie hast du mich“, fragte er, als sie die Lichter des Dorfes zwischen den Stämmen aufblinken sahen, hier eines, da ein – „wie hast du mich unter den Mitgesellen herausgefunden?“
„Ich habe gespürt, dass du Angst hattest“, sagte sie, Angst um mich: Daran habe ich dich erkannt.“
Während sie auf die Häuser zuschritten, fing es zu schneien an, leicht und in feinen Flocken, wie Mehl, das aus einem großen Sieb auf sie niederfiel.

Mit diesen Zeilen endet Ottfried Preußlers Jugendroman „Krabat“. Die Schüler der 6. Klasse hatten sich im Deutschunterricht mit diesem Roman als Ganzschrift beschäftigt, sie hatten den abenteuerlichen Weg des Krabat verfolgt, der als umherziehender Betteljunge Unterschlupf und Auskommen in einer geheimnisvollen Mühle findet, dort in die magische Bruderschaft einer „Schwarzen Schule“ aufgenommen wird, das Zaubern erlernt und der schließlich aus den Fängen der ihn umstrickenden bösen Mächte durch die Liebe eines Mädchens befreit wird.

Bei der abschließenden Besprechung und Würdigung des Romans, nachdem das Mädchen den bösen Meister besiegt hatte und damit für Krabat und seine Mitgesellen die Freiheit gewonnen hatte, bedauerten viele Schüler, dass nun die Geschichte zu Ende war. Zu gerne hätte man ja gewusst, wie das Leben des Krabat an der Seite des Mädchens weitergehen würde. Daraus sind der allgemeine Gedanke und Wunsch entstanden, das Leben des Krabat und der Kantorka eine halbe Nacht lang fortzuspinnen, bis zur Mitternacht des Silvesterabends, dann würde nämlich die verruchte Mühle endgültig untergehen.

Das Fortschreiben der Geschichte sollte nun in einem Klassenaufsatz geschehen, dem folgender Handlungsrahmen beigegeben war:
„Als Krabat die erste Nacht in Sicherheit im Elternhaus der Kantorka verbringt, träumt er zum letzten Mal einen Albtraum. In diesem Traum will ihm der Meister Angst vor der Zukunft ohne Zauberei an der Seite der Kantorka machen.“

Folgende stilistische und sprachliche Elemente waren als Erwartungshorizont von den Schülern anzustreben:

Ein reicher Wortschatz, lebendiger sprachlicher Ausdruck bei einfacher Satzführung, um den Stil Ottfried Preußlers nachzuempfinden.Tempuswechsel: Vergangenheit in den Erzählungen teilen (Hinführung und Schluss), Gegenwart im Traum.Formale Gestaltung des Traumes beachten, irreales Geschehen darstellen, Elemente des Albtraumes anwenden.

Klaus-Peter Stelter


Krabats letzter Albtraum

..., das aus einem großen Sieb auf sie nieder fiel. Als sie in Schwarzkollm ankamen, führte Kantorka ihn in ein kleines, weiß gestrichenes Haus. Da sagte sie: „ Ach, ja, ich heiße eigentlich Lena.“ „Aha! Ein schöner Name.“, antwortete Krabat.
Als sie an die Tür klopfte, öffnete sofort eine Frau. Sie hatte rote Augen vom Weinen. Als sie Lena sah, sprang sie auf sie zu und umarmte sie. „Ach Lena ,wir haben dich so vermisst. Wo warst du die ganze Zeit? Und wer ist dieser Junge da? Kommt erst mal rein!“ Sie führte die beiden in eine kleine Küche. Im Kamin brannte ein Feuer und es war angenehm warm. Am Tisch in der Mitte des Raumes saß ein Mann. Als er sie eintreten hörte, blickte er auf. Dann rannte er zu seiner Tochter und überschüttete sie, genau wie ihre Mutter, mit Fragen. Da setzte Lena sich hin und erzählte alles.
Als sie geendet hatte, starrte ihre Mutter unverwandt auf Krabat. „Und du warst also auf einer Schwarzen Schule. Wie ist es da und was lernt man da und ...?“
„Mama“, sagte Lena. „Er ist bestimmt hungrig und müde.“ Und das stimmte, denn Krabat hatte den ganzen Tag noch nichts gegessen. Da brachte Lenas Mutter einen Teller Eintopf. Er schmeckte großartig und war noch warm...
Als Lena Krabat auf dem Dachboden sein Bett zeigte, ließ er sich darauf fallen und schlief auch ohne Zauberformel sofort ein...

In dieser Nach träumte Krabat seinen letzten Albtraum: Es ist Frühling. Lena soll ein Kind bekommen. Krabat kommt gerade von der Arbeit nach Hause, da sieht er, dass Lenas Mutter und Vater schwarze Kleidung tragen und weinen. Er geht zu ihnen und fragt, was passiert sei. Die Mutter antwortet schluchzend: „Lena..., Lena ist bei der Geburt eures Kindes gestorben“, und sie fängt wieder an zu weinen. Aus dem Inneren des Hauses hört er ein Baby schreien. Er stürzt ins Haus: Dort liegt Lena. Ihre Augen sind glasig und starr. Neben ihr liegt ihr Kind, sein Kind, das aus Leibeskräften schreit. Da tritt Lenas Mutter an seine Seite. „Er soll Herbart heißen, das wollte Lena so“, schluchzt sie.
Auf einmal steht der Meister im Raum, einäugig und bleich wie immer. „So ist das Leben ohne Zauberei, Krabat! Wenn du dich jetzt noch umentscheiden könntest, würdest du es dann tun?“ „Niemals!“, schreit Krabat, und ihm kommen Tränen auf. „Du bist erbärmlich, du bist abscheulich, du bist hässlich, du hast Tonda und Michal und all die anderen umgebracht. Sogar deinen besten Freund hast du erschossen!!!“ Das Gesicht des Meisters ist wutverzerrt. Sein eines Auge tritt hervor, sein Gesicht sieht aus wie eine Maske.

„Bumm!“ Krabat wachte in Schweiß gebadet auf. Unten hörte er die Standuhr zwölf schlagen. Und dann kam es wieder: „Bumm!“ Krabat sprang auf und rannte zum Fenster. Und dort sah er es: Zwischen den Bäumen sah er einen Schimmer, der immer größer wurde. „Bumm!“ das mussten die Mehlvorräte sein, die da explodierten. Er glaubte zu sehen, dass kleine glühende Bretter wegflogen. „Bumm!“ Die Fensterläden klapperten. Das musste die Mehlkammer gewesen sein. Er legte sich wieder auf seine Pritsche und schlief mit einem erleichterten Lächeln auf den Lippen ein: Es war geschafft, der Meister war nun endgültig tot und besiegt...

Oskar Zulauf, Klasse 6


Krabat hat einen letzten Albtraum

Krabat und die Kantorka gingen auf Schwarzkollm zu und sahen in der Ferne schon einige Häuser. „Wo wollen wir heute Nacht schlafen?“ ,fragte Krabat. „Wir werden heute in dem Haus meiner Eltern übernachten“ ,meinte die Kantorka. In Schwarzkollm angekommen, führte sie ihn einen steinigen Pfad zu ihrem Haus entlang. Sie klopfte drei Mal. Die Eltern der Kantorka öffneten ihnen die Tür. Sie sahen besorgt aus. „Aber wo warst du denn, Lena?“, fragte ihre Mutter. „Wir haben uns solche Sorgen gemacht!“ „Kantorka, du heißt also Lena? Das ist ein schöner Name“ ,meinte Krabat. „Ja, so lautet mein richtiger Name“ , entgegnete Lena. Ihr Vater deutete auf Krabat und fragte: „Und wer ist das?“

„Das ist mein Freund. Er heißt Krabat“ ,antwortete Lena. „Oh, dann kommt doch erst mal rein. Das Abendbrot ist schon fertig. Wenn du willst, kannst du mitessen, Krabat“ ,bot Lenas Mutter an. Als sie zusammen am Tisch saßen, langte Krabat mächtig zu. Er war nämlich sehr hungrig. Als sie aßen, erzählte Krabat Lenas Eltern von der Mühle im Koselbruch, dem Meister und wie Lena ihn befreit hatte. „Lena, wir haben dir doch verboten, dass du dich in der Nähe der alten Mühle aufhältst!“, tadelte ihr Vater. „Krabat, nachdem du so einen aufregenden Abend hinter dich gebracht hast, bist du sicher sehr müde. Auf dem Heuboden steht eine Pritsche. Dort kannst du dich ausruhen“ ,meinte die Mutter. Krabat bedankte sich für das Essen und zog sich auf den Heuboden zurück. Dort fiel er müde auf die Pritsche und sank in einen tiefen Schlaf.

Dann träumte er zum letzten Mal einen Albtraum:

Krabat steht tief in einem dichten Wald. Die Nacht hüllt ihn mit ihrer Dunkelheit ein. Es ist so finster, dass Krabat nicht die Hand vor Augen sehen kann. Plötzlich schießt vor ihm eine grelle Flamme aus dem Boden. Er hält sich schützend die Hand vor die Augen. Als er sie wieder senkt, steht der Müller aus dem Koselbruch vor ihm. Seine Kleider sind zerrissen und Blut fließt an seinem Körper entlang. „Aber wie kann das sein?“ , fragt sich Krabat entsetzt. „Ich habe den Meister doch schon besiegt!“ Der Müller spricht mit einer heiseren, furchteinflößenden Stimme: „Komm Krabat, ein letztes Mal noch werde ich mit dir losziehen. Ich zeige dir das Leben, für welches du dich entschieden hast!“ Den letzten Satz schreit der Müller nur so aus sich heraus.

Krabat wacht auf. Die Sonne scheint durch die Dachluke auf dem Heuboden. Es ist ein Morgen, wie jeder andere Morgen in Krabats neuem Leben. Er streift sich seine Kleider über, frühstückt zusammen mit Lena und ihren Eltern und macht sich anschließend auf den Weg zu seiner Arbeit im Bergwerk. Er wandert aus Schwarzkollm hinaus und durch einen Wald. Schon ist er in dem Bergwerk, wo er eine Arbeit gefunden hat, angekommen. Sofort kommt ihm ein massiger Kerl entgegengelaufen. Es ist sein neuer Meister. Er hält Krabat eine Spitzhacke hin und drückt sie ihm in die Hand. „An die Arbeit Krabat!“ ,schreit er. „Dort hinten ist noch genug zu tun!“ Er deutet in die rechte hintere Ecke. Krabat macht sich ans Werk. Gerade will er einen Zauberspruch sprechen, da erinnert er sich, dass er keine Zauberkräfte mehr besitzt. Unter Aufbringung all seiner Kräfte schlägt er die Hacke ins Gestein. Schon bald ist er kraftlos und hockt sich zum Ausruhen auf den Boden. Da sieht er, wie sein Meister sich ihm nähert. Während der Meister ihn ausschimpft, rappelt Krabat sich auf. „ Nicht schlapp machen, Krabat! Die Arbeit macht sich nicht von allein! So etwas wie Zauberkräfte besitzt leider kein Mensch!“, meint der Meister. Dieser Satz lässt Krabat schaudern. Er muss wieder an sein altes Leben denken. Plötzlich sehnt er sich seine Zauberkräfte zurück.

Es ist Abend und es dämmert schon. Gerade schlägt Krabat erneut die Hacke ins Gestein, als er ein grollendes und polterndes Geräusch von oben vernimmt. Er blickt sich um. Keiner ist mehr im Bergwerk. Da richtet er seinen Blick nach oben. Ein großes Stück Gestein hat sich gelöst und droht jeden Moment auf Krabat zu fallen. Er will rennen, aber seine Beine sind starr vor Angst. Das Letzte, was er hört, ist ein dumpfer Aufprall und seinen Schmerzensschrei. Er wird ohnmächtig.

Als er wieder zu sich kommt, hört er noch einen Schrei. Aber diesmal ist es nicht sein eigener Schrei. Er erkennt die Stimme. Es ist Lena, die dort schreit. Mit letzten Kräften rappelt er sich auf. Er sieht Lena und den Herrn Gevatter in der Nähe. Der Herr hält Lena so, dass sie ihm nicht entkommen kann. In der einen Hand hält er ein Messer. Er richtet es bedrohlich nah an ihren Hals. „Krabat! Krabat hilf mir doch!“, bettelt Lena. Da bemerkt Krabat, dass er nur noch einen Arm hat. Den anderen Arm hat ihm der Fels abgequetscht. Krabat schreit kläglich: „Lass sie in Ruhe!!!“ Doch er hat nicht mehr genug Kraft, um sie zu retten. Da hört er erneut die Stimme des Müllers aus dem Koselbruch: „Krabat, das ist das Leben, welches du dir gewünscht hast!!!“

Krabat wachte schweißgebadet auf. Er hörte in der Ferne die Turmuhr. Sie schlug genau zwölf Uhr. Durch die Dachluke schimmerte ein rötliches Licht. Als er durch die Luke blickte, sah er die Mühle, die im Mondschein lichterloh brannte. In der Ferne sah er ein Gespann mit Pferden fortfahren. Krabat dachte: „Dort drin sitzt der Herr Gevatter mit seinem neuen Opfer- dem Meister.“ Erleichterung durchflutete ihn und er ließ sich zufrieden wieder auf seine Pritsche fallen. Mit einem Lächeln auf den Lippen sprach er zu sich: „Jetzt bin ich endgültig frei!“

Laura Maroke, Klasse 6